Schon als Jugendlicher kannte ich den Namen Franz Michael Felder (1839-1869) - im Bregenzerwald kommt man an ihm kaum vorbei. Dass in Hohenems eine Straße nach ihm benannt wurde, nahm ich zur Kenntnis. Welche Verbindung Felder jedoch zu Hohenems hatte, war mir damals unklar - und ehrlich gesagt beschäftigte mich das auch nicht weiter.
Die Franz-Michael-Felder-Straße existiert bereits seit 1909. Sie verbindet die Kaiser-Franz-Josef-Straße mit der Bahnhofstraße. Erst viel später erfuhr ich, dass eine weitere Straße - die Kaspar-Moosbrugger-Straße, benannt im Jahr 1965 - direkt von ihr abzweigt. Der Name Moosbrugger sagte mir früher nichts, und so schenkte ich ihm keine besondere Aufmerksamkeit.
Erst Jahre später sollte ich verstehen, warum diese beiden Straßen miteinander verbunden sind - und warum beide Namen auch mit meiner eigenen Familie zu tun haben.
Unerwartete Verwandtschaften mit Felder und Moosbrugger
Bereits 2002 erzählten mir Verwandte im Bregenzerwald, dass Franz Michael Felder mit unserer Familie verwandt sei. Doch niemand wusste Genaueres. Erst im November 2005 gelang es mir, die genealogischen Zusammenhänge zu klären. Eine Felder-Familie aus Schoppernau und Franz Michael Felders Urenkelin stellten mir ihre Stammbäume zur Verfügung. Diese Daten sind in das Stammbaum-Netzwerk der Ahnenforscher-Plattform www.verwandten.info eingeflossen.
Meine Verwandtschaft zu Franz Michael Felder
Wir sind mehrfach blutsverwandt – und das bereits ab dem 3. Grad:
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Cousins 3. Grades (3 Generationen versetzt) - Gemeinsamer Vorfahre: Michael Felder (1692-1760)
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Cousins 6. Grades (3 Generationen versetzt) - Gemeinsamer Vorfahre: Christian Moosbrugger (um 1585-1632)
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Cousins 6. Grades (4 Generationen versetzt) - Gemeinsamer Vorfahre: Christian Moosbrugger (um 1585-1632)
Als mir diese Zusammenhänge bewusst wurden, verstand ich plötzlich auch, wer Kaspar Moosbrugger war - jener Mann, dem 1965 in Hohenems eine Straße gewidmet wurde. Er war nicht nur der Schwager von Felder, sondern ebenfalls mit mir verwandt.
Meine Verwandtschaft zu Kaspar Moosbrugger
Zwischen ihm und mir bestehen zwei genealogische Verbindungen:
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Cousins 4. Grades (4 Generationen versetzt) - Gemeinsamer Vorfahre: Leopold Moosbrugger (+ 1730)
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Cousins 6. Grades (3 Generationen versetzt) - Gemeinsamer Vorfahre: Christian Moosbrugger (um 1585-1632)
Damit wurde mir klar: Die beiden Namensgeber der verbundenen Straßen in Hohenems sind nicht nur historisch bedeutende Persönlichkeiten - sie gehören auch zu meiner eigenen Verwandtschaft.
Franz Michael Felder (1839-1869)
Franz Michael Felder wurde am 13. Mai 1839 zwischen 6 und 7 Uhr früh als zweites von drei Kindern des Jakob Felder und dessen Ehefrau Maria, geb. Moosbrugger, in Schoppernau geboren. Im September 1840 verlor er bei einer missglückten Augenoperation durch einen betrunkenen Arzt das gesunde linke Auge. 1846 trat er - ein Jahr verspätet - in die Schule ein. Am 12. Februar 1849 starb sein Vater im Alter von 45 Jahren.
Am 4. Februar 1861 heiratete er die aus Au stammende Anna Katharina Moosbrugger. Pfarrer Stockmayr nahm die Trauung vor. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor: Jakob, Kaspar, Maria Katharina, Hermann und Martin.
Der Bauer und Heimatdichter Felder starb bereits am 26. April 1869 im Alter von nur 29 Jahren. Ein Denkmal bei der Pfarrkirche Schoppernau erinnert an ihn.
Kaspar Moosbrugger (1830-1917)
Kaspar Moosbrugger wurde am 6. Jänner 1830 als Sohn von Johann "Martin" Moosbrugger und Maria "Katharina" Fetz im Haus Schrecken 2 in Au geboren. Er wurde römisch-katholisch getauft. Taufpaten waren der Priester Josef Pius Moosbrugger aus Dornbirn und Maria Barbara Ritter.
Ausbildung und beruflicher Werdegang
Mit großen Entbehrungen besuchte Moosbrugger das Gymnasium in Feldkirch und studierte anschließend (1852-1855) Rechtswissenschaften in Innsbruck. 1856 begann er als Gerichtspraktikant in Bezau, später arbeitete er an mehreren Gerichten in Oberungarn. Nach seiner Rückkehr war er in Schruns, Dornbirn und schließlich viele Jahre als k.k. Gerichtsadjunkt in Bludenz tätig. Eine Beförderung blieb ihm aufgrund politischer Anfeindungen verwehrt.
Familie
Am 12. Oktober 1863 heiratete er die Wirtstochter Maria Theresia Biedermann aus Schruns. Das Paar bekam zwölf Kinder, geboren in Dornbirn, Bludenz und später in Nüziders.
Politisches Engagement und Schriften
Gemeinsam mit seinem Schwager Felder entwickelte Moosbrugger 1866 die Idee einer "Vorarlberger Partei der Gleichberechtigung", die 1867 gegründet wurde. Er veröffentlichte anonym die Broschüre "Ruf aus Vorarlberg um Gleichberechtigung"“, was zu heftigen Angriffen gegen Felder führte.
Die Partei forderte unter anderem:
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allgemeine Wehrpflicht
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gleiches, direktes Wahlrecht für alle Staatsbürger
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soziale Verbesserungen für Fabriksarbeiter
Moosbrugger kritisierte die kapitalistische Bourgeoisie und verglich sie mit den Grundherren der Feudalzeit. Weitere Schriften wie "Klarstellung der vorarlbergischen Partei der Gleichberechtigung" (1867), "Kulturgespräche aus Vorarlberg" (1878) und "Psychische Erlebnisse" (1883) zeigen seine kritische, moderne Denkweise.
Freundschaft mit Franz Michael Felder
Der Briefwechsel der beiden (1861-1869) gilt als bedeutendes kulturhistorisches Dokument. Nach Felders frühem Tod zog sich Moosbrugger weitgehend aus der Politik zurück.
Anfeindungen und Repression
Wegen ihrer sozialkritischen Ideen wurden Felder und Moosbrugger im konservativen Vorarlberg massiv angefeindet. 1867 erhielt Moosbrugger eine ministerielle Verwarnung, die seine Karriere blockierte.
Haltung zum Ersten Weltkrieg
1914 sprach er sich öffentlich gegen den Krieg aus - ein mutiger Schritt, der zu seiner Verhaftung und späterem Hausarrest führte.
Lebensende und Ehrung
Kaspar Moosbrugger starb am 11. März 1917 in Nüziders. 1965 wurde in Hohenems eine Straße nach ihm benannt.
Fazit: Straßennamen, die Familiengeschichte erzählen
Was einst nur ein Straßenname war, wurde für mich zu einem Fenster in die Vergangenheit. Die Kaspar-Moosbrugger-Straße und die Franz-Michael-Felder-Straße sind nicht nur nach zwei bedeutenden Vorarlberger Persönlichkeiten benannt - sie führen auch direkt in meine eigene Familiengeschichte.
Ahnenforschung zeigt immer wieder, wie eng lokale Geschichte und persönliche Herkunft miteinander verwoben sind. Manchmal genügt ein Straßenname, um eine ganze Welt zu öffnen.
Diesen Beitrag verfasste Otmar Mayr, Administrator der Ahnenforscherplattform www.verwandten.info
Quellen: Private Stammbäume und Dokumente, Matriken, Buch "Hohenemser Strassen" (1984), Wikipedia