Franz Stephan von Lothringen (1708-1765)

Franz Stephan von Lothringen wurde am 8. Dezember 1708 als vierter Sohn des Herzogs Leopold Joseph von Lothringen und dessen Frau Elisabeth Charlotte von Orléans in Nancy geboren.

Am 12. Februar 1736 heiratete er die Erzherzogin Maria Theresia von Österreich. Im Unterschied zu den üblichen dynastischen Verbindungen dieser Zeit war es eine echte Liebesheirat. Aus dieser Ehe stammen sechzehn Kinder.

Maria Theresia, die ihn als Mitregent in den habsburgischen Erblanden erklärte, führte allerdings die Regierung der Habsburgermonarchie größtenteils selbst; die Mitregentenfunktion sollte vor allem der Wahrung seiner Würde dienen. Franz Stephan befasste sich auf Grund dessen intensiv und erfolgreich mit der Konsolidierung der Finanzen des neuen Hauses Habsburg-Lothringen, das er gemeinsam mit Maria Theresia begründet hatte und das bis 1918 die Herrscher der Donaumonarchie stellen sollte.

Nach dem Tode Karls VII. 1745 erklärte dessen Sohn Maximilian Joseph sein Einverständnis mit der Wahl Franz Stephans zum Kaiser. Diese fand am 13. September 1745 in Frankfurt am Main statt. Franz Stephan erhielt die Stimmen von sieben der neun Kurfürsten und wurde daraufhin am 4. Oktober in der Bartholomäuskirche gekrönt. Als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches nannte er sich Franz I.

Da er weder als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches noch als formaler Mitregent der habsburgischen Erblande ausgelastet war, fand Franz Stephan genügend Zeit, sich seinen eigentlichen Neigungen zu widmen, nämlich den Naturwissenschaften und seiner Münz- und Mineraliensammlung. Mit seinem Lothringischen Kreis war er ein wichtiger Anreger für die Naturwissenschaften in Österreich. So konnte er auch Gerard van Swieten, den Begründer der Ersten Wiener Schule der Medizin nach Wien holen. Auch die Anlage des Tiergartens Schönbrunn geht auf ihn zurück.

Durch geschickte Finanztransaktionen gelang es ihm, ein riesiges Vermögen anzuhäufen, mit dem sein Sohn und Nachfolger Joseph II. das Staatsbudget sanieren konnte. Franz Stephan legte auf seinen Gütern in Holics an der ungarisch-mährischen (heute slowakisch-mährischen) Grenze und Sassin im ungarischen Komitat Neutra (heute Westslowakei) landwirtschaftliche Musterbetriebe an. Diese ließ er nach modernsten Grundsätzen bewirtschaften, gründete eine Majolikafabrik und eine Weberei. Er widmete sich mit Vorliebe Finanzgeschäften und wurde dadurch zum mehrfachen Millionär.

Franz Stephan starb am 18. August 1765, im Alter von 56, nach der Hochzeit seines Sohnes Leopold II. in Innsbruck plötzlich an einem Schlaganfall.

Seine Genealogie befindet sich im Stammbaum-Netzwerk und im Familienbuch Adelsgeschlechter.

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