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Wilhelm Franz von Habsburg-Lothringen (1895-1948)

Erzherzog Wilhelm Franz Joseph Karl von Habsburg-Lothringen kam am 10. Februar 1895 in Pula zur Welt. Er war Offizier der k.u.k. Armee, "ukrainischer" Oberst und während des Ersten Weltkrieges informeller habsburgischer Thronkandidat für einen ukrainischen Satellitenstaat. Sein Leben war bestimmt vom Kampf um die Unabhängigkeit der Ukraine von der Sowjetunion. Er fiel deshalb dem Stalinismus zum Opfer.

Am 6. Juni 1919 wurde er verhaftet und nach Bukarest gebracht und verhört, aber nach drei Monaten wieder freigelassen. Er schloss sich daraufhin der Armee der Ukrainischen Volksrepublik an. Dabei war er im Verteidigungsministerium in Kiew für Außenbeziehungen, für alle Militärattachés in den ukrainischen Botschaften im Ausland zuständig.

Der Machthaber der Ukrainischen Volksrepublik, Symon Petljura, entwickelte sich, bedrängt von Polen, Rumänien und Sowjetrussland, zum Diktator, dessen schlecht organisierte Einheiten schwere Pogrome an Juden verübten. Im April 1920 trat Wilhelm aus Protest gegen Petljuras Friedensschluss mit Polen von seinen Ämtern zurück und ging nach den Niederlagen gegen Sowjetrussland über Wien nach München.

Im Exil in München eröffnete er ein Agitationsbüro, das die ukrainische Unabhängigkeit propagierte. Seine Pläne scheiterten aber an seinen unzuverlässigen Partnern aus dem Umfeld der deutschen Freikorps.

Von 1925 bis 1929 arbeitete Wilhelm in Spanien als Immobilienmakler, anschließend ging er nach Paris. Dort wurde er schnell Teil des Jetsets, erschien oft in der Boulevardpresse und pflegte öffentlich zahlreiche Beziehungen zu Revuegirls und auch zu Männern. 1935 wurde er von seiner Geliebten, einer Hochstaplerin, in einen Betrugsskandal verwickelt. Einer Gefängnisstrafe entzog er sich durch Flucht nach Wien.

In Wien verfocht er wieder die Sache der ukrainischen Unabhängigkeit, hatte Kontakte zu Jewhen Konowalez und dessen Organisation Ukrainischer Nationalisten. Ideologisch näherte er sich antisemitischen und nationalsozialistischen Positionen an. Nach dem "Anschluss" Österreichs im März 1938 wurde der Habsburger von der Gestapo überwacht. Wilhelm spionierte für Großbritannien und Frankreich gegen Deutschland, nach Kriegsende auch gegen die Sowjetunion.

Den Zweiten Weltkrieg verbrachte Wilhelm in Wien, wo er während der Besatzungszeit am 26. August 1947 am "helllichten Tag" vor dem Wiener Südbahnhof vom sowjetischen Geheimdienst entführt und verschleppt wurde. Er wurde vier Monate in Baden verhört, nach Kiew gebracht und dort als englischer und französischer Spion im Mai 1948 zu 25 Jahren Haft verurteilt. Wilhelm von Habsburg starb im Krankenhaus des Lukjaniwska-Gefängnisses in Kiew am 18. August 1948.

Quelle: Wikipedia

Seine Genealogie befindet sich im Stammbaum-Netzwerk und im Familienbuch Adel.