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Karl Habsburg-Lothringen

Karl Thomas Robert Maria Franziskus Georg Bahnam Habsburg-Lothringen (* 11. Jänner 1961 in Starnberg) ist ein ehemaliger österreichischer Politiker der ÖVP und Medienunternehmer.

Er ist der älteste Sohn von Otto Habsburg und dessen Frau Regina, geborene Prinzessin von Sachsen-Meiningen, und seit dem 1. Jänner 2007 familienintern das Oberhaupt des Hauses Habsburg.

Der Sohn des letzten Kronprinzen von Österreich-Ungarn und Enkel des letzten Kaisers von Österreich und Königs von Ungarn Karl I./IV. ist von Geburt an Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies, dessen Souverän und Großmeister er seit dem 30. November 2000 ist. Er ist Träger des Großkreuzes des Souveränen Malteser-Ritterordens und Ehrenritter des Deutschen Ordens.

Karl Habsburg ist seit 1986 Präsident der Paneuropabewegung Österreich und seit 1994 Mitglied des Präsidiums der Paneuropa-Union. Außerdem ist er Gründer und Vorsitzender des "Paneuropakreises Alpen-Adria". Von Jänner 2002 bis Jänner 2003 war er Generaldirektor der Organisation der nicht-repräsentierten Nationen und Völker (UNPO). Als Militärpilot der Luftstreitkräfte ist er Hauptmann der Miliz im österreichischen Bundesheer. Karl Habsburg war von 2008 bis 2014 Vorsitzender der ANCBS (Association of National Committees of the Blue Shield) und ist seit 2014 Präsident der Organisation Blue Shield International.

Berufsleben und politische Funktionen

Er war für die ÖVP neben seiner Tätigkeit als enger Mitarbeiter des Salzburger Landeshauptmanns Haslauer nach einem sehr erfolgreichen Vorzugsstimmenwahlkampf von 1996 bis 1999 Abgeordneter des Europäischen Parlaments und setzte sich besonders für Minderheiten ein. Habsburg sorgte für Aufsehen, als er das Abtreibungsmedikament Mifegyne mit der Todesstrafe verglich.

Im Mai 1990 leitete Habsburg persönlich einen Hilfskonvoi nach Vilnius mit Nahrungsmitteln, Medikamenten und Bekleidung als Vertreter der Paneuropa-Union, als Reaktion auf die von der Sowjetunion verhängte Rohstoffblockade nach dem Ausruf der Unabhängigkeit Litauens im März 1990. 1991 organisierte Karl Habsburg internationale Hilfe gegen die Zerstörungen in Dubrovnik und im ehemaligen Jugoslawien.

Mit Blick auf seinen geplanten Einstieg in die Politik leitete Habsburg vom September 1992 bis April 1993 kurzzeitig einige Folgen einer neuen Fernsehquizshow im staatlichen Sender ORF ("Who is Who"), die ihm zu öffentlicher Bekanntheit verhelfen sollte: "Ich habe natürlich auch meine Tätigkeit beim Fernsehen unter dem Aspekt gesehen [...] Und wenn ich in Österreich auch politisch tätig werden mochte [...], da ist ein Bekanntheitsgrad immer etwas Wichtiges. So etwas trägt enorm dazu bei, dass man einen gewissen Bekanntheitsgrad hat."

Seine politische Karriere endete mit dem sogenannten World-Vision-Spendenskandal. Dabei wurden u. a. von Wolfgang Krones, dem damaligen Generalsekretär von Paneuropa Österreich, Spenden von World Vision Österreich - Christliches Hilfswerk u. a. zu Paneuropa umgeleitet. Ein Prüfbericht von KPMG bestätigte Geldflüsse von rund 640.000 Schilling (rund 46.500 Euro), ein Teil davon floss 1996 in Habsburgs Wahlkampf. 2004 ist Krones rechtskräftig verurteilt worden. Karl Habsburg wurde in diesem Zusammenhang von manchen Journalisten eine zu geringe Überwachung seines Generalsekretärs zur Last gelegt. Sein Vater Otto Habsburg wurde heftig kritisiert, als er die Vorwürfe und Rücktrittsaufforderungen gegen Karl Habsburg mit der nationalsozialistischen Judenverfolgung verglich. Erst 2004 zahlte Karl Habsburg jene 36.899 Euro an den Nachfolgeverein World Vision - Gesellschaft für Entwicklungshilfe und Völkerverständigung zurück, die - laut Habsburg ohne sein Wissen - in die Finanzierung seines Wahlkampfs geflossen waren.

Nachdem die ÖVP Karl Habsburg-Lothringen nicht wieder für die EU-Wahlen aufgestellt hatte, verfehlte er 1999 mit der eigenen Liste CSA - Christlich Soziale Allianz (Liste Karl Habsburg, 1,54 %) den Wiedereinzug in das Europäische Parlament.

Habsburg ist Medienconsultant mit Projekten in Osteuropa und Holland bzw. Miteigentümer von Fernseh- und Radiostationen in den Niederlanden (z. B. Radio 10, SLAM!-TV), in Mittel- und Osteuropa und Landwirt. Das Digitalradio SoundTraxx ist zum Beispiel ein Medienprojekt Habsburgs in Bulgarien bzw. der Ukraine und sendet Filmmusik.

In einem Interview im Dezember 2013 bezeichnete Habsburg-Lothringen das Habsburgergesetz als "völligen Unsinn" und verglich es mit den Benes-Dekreten.

Kulturgüterschutz

Seit 2008 ist er Vorsitzender der Association of National Committees of the Blue Shield mit Sitz in Den Haag beziehungsweise seit 2014 Weltpräsident des Blue Shield International. Für das Blaue-Schild-Komitee leitete er wiederholt Fact Finding Missionen in den Nahen Osten - so etwa 2011 nach Ägypten und Libyen, um Zerstörungen und Plünderungen während der dortigen Revolutionen zu dokumentieren. In Mali leitete Habsburg die Ausbildung von malischen Offizieren für den Kulturgüterschutz. Er kann diesbezüglich auch auf Erfahrungen zu einer Mission im ersten Afghanistan-Krieg Mitte der 1980er über die kriegsrechtlichen Beurteilungen von damals neuen Waffensystemen (vgl. Mini-Kalaschnikow) zurückgreifen. Dazu ist Habsburg Kulturgüterschutz-Offizier beim österreichischen Bundesheer mit Zuteilung zum Institut für Human- und Sozialwissenschaften.

Privatleben

Habsburg absolvierte die Volksschule in Pöcking und anschließend das neusprachliche Gymnasium in Tutzing. Obwohl er ausschließlich österreichischer Staatsbürger ist, durfte er aufgrund einer rigorosen Auslegung des Habsburgergesetzes in seinen ersten Lebensjahren nicht nach Österreich einreisen. In seinem ersten Reisepass, ausgestellt vom österreichischen Konsulat in München, stand nach seiner eigenen Aussage noch folgende Sonderbestimmung: "Gültig für jedes Land der Welt, ausgenommen Österreich."

1981 begann Karl Habsburg in Salzburg mit einem Studium der Rechtswissenschaften an der Paris-Lodron-Universität Salzburg, 1983 nahm er zusätzlich das Studium von Spanisch und Politikwissenschaften auf. Das rechtswissenschaftliche Studium beendete Habsburg-Lothringen 1993 ohne Abschluss und nahm stattdessen ein studium irregulare auf, das Elemente der Alten Geschichte mit rechtswissenschaftlichen Aspekten kombinierte.

Ab 2005 war er in einem wirtschaftswissenschaftlichen Studiengang an der ehemaligen Privatuniversität IMADEC University eingeschrieben, den er 2012 abschloss. Seinen Militärdienst leistete Karl Habsburg beim Bundesheer ab, wo er als Einjährig-Freiwilliger die Piloten-Ausbildung machte und aktuell Hauptmann der Reserve in der Fliegertruppe ist.

Karl Habsburg-Lothringen lebte von 1981 bis zu seinem Umzug nach Wien im Jahr 2005 in Anif bei Salzburg. Er ist seit 1993 mit Francesca, geborene Thyssen-Bornemisza (Tochter von Hans Heinrich Thyssen-Bornemisza de Kászon) verheiratet (Hochzeit am 31. Jänner 1993 in Mariazell), seit 2003 leben sie getrennt. Sie haben gemeinsam zwei Töchter (Eleonore, * 1994 sowie Gloria, * 1999) und einen Sohn (Ferdinand, * 1997).

Der ausgebildete Pilot Habsburg ist im Besitz einer Cessna L-19A Bird Dog, die in den 1960er Jahren als 3A-CI beim Bundesheer im Einsatz war.

Mitgliedschaften

  • Er ist Oberster Bandinhaber im Akademischen Bund Katholisch-Österreichischer Landsmannschaften.
  • Außerdem ist er seit 1998 Ehrenpräsident des Europäischen Militär-Fallschirmsprungverbandes, Inhaber des Ehrentellers des Europäischen Militär-Fallschirmsprungverbandes e.V. AEPM Assiette d' Honneur en Etain, des Brevet de Parachutisme Militaire Européen Honoraire, seit 2002 der Grande Medaille d'Or avec Ruban Merite Philanthropique und seit 2003 Träger des Kommandeur-Kreuzes des Europäischen Militär-Fallschirmsprungverbandes e.V.

Quelle: Wikipedia

Seine Genealogie befindet sich im Stammbaum-Netzwerk und im Familienbuch Adel.