Eine genealogische Rekonstruktion zum 374. Geburtstag des Erzbischofs Rudolph Joseph Graf von Thun und Hohenstein. 

Am 20. August 2026 jährt sich sein Geburtstag zum 374. Mal. Ein guter Anlass, die Frage zu klären, die seit Jahren genealogische Datenbanken, Wikipedia‑Artikel und private Stammtafeln widersprüchlich beantworten.

Thun und Hohenstein - Familienwappen

Die gängigen Online‑Quellen nennen zwei verschiedene Elternpaare – und nur eines davon kann stimmen.

Die widersprüchlichen Angaben

Wikipedia

Wikipedia behauptet, Rudolph Joseph sei ein Sohn von Johann Sigismund Graf von Thun und Hohenstein und dessen dritter Gemahlin Margaretha Anna von Oettingen‑Baldern.

Wikipedia führt weiter aus, Rudolf Joseph sei 1687 seinem "Bruder Johann Ernst" auf den Bischofssitz von Seckau gefolgt.

Beides ist genealogisch nicht haltbar.

Genealogy.euweb.cz

Die Seite führt Rudolph Joseph ebenfalls als Sohn Johann Sigismunds, listet ihn aber als zweites Kind der dritten Ehe, während das dritte Kind Katharina bereits 1635 geboren wurde. 

Katharina wäre damit 17 Jahre älter als Rudolph Joseph.

Auch das ist unmöglich.

SalzburgWiki

Das SalzburgWiki dokumentiert dagegen die Familie Christoph Richard von Thun und Hohenstein (1604-1668) und Veronika Sekunda Khuen von Belasi - und hier passen die Geburtsjahre der Kinder perfekt zu Rudolf Joseph.

Warum Rudolf Joseph NICHT der Sohn von Johann Sigismund sein kann

Die Belege sind eindeutig:

  • Die Kinder Johann Sigismunds wurden zwischen 1614 und 1646 geboren. Rudolph Joseph wird als zweites Kind der dritten Ehe geführt, jedoch ohne Geburtsdatum. Das dritte Kind aus dritter Ehe ist Johanna Katharina, die am 06.09.1635 geboren wurde. Damit ist Rudolf Joseph (geb. 1652) chronologisch unmöglich. Die angeblichen Geschwister passen nicht zusammen.
  • Wikipedia nennt als Bruder Johann Ernst (1643-1709), der von 1679 bis 1687 Bischof von Seckau war und danach bis 1709 Fürsterzbischof von Salzburg wurde. Rudolph Josef war hingegen von 1690 bis zu seinem Tod 1702 Fürstbischof von Seckau.
  • Die kirchliche Karriere zeigt die richtige Linie. Rudolf Joseph folgt Johann Franz von Thun und Hohenstein nach - und dieser ist Sohn von Christoph Richard, nicht von Johann Sigismund. Damit ist die Geschwisterlinie eindeutig.

Die korrekte Zuordnung

Alle genealogischen, chronologischen und biografischen Fakten führen zu einem einzigen, stimmigen Ergebnis: Rudolf Joseph (1652-1702), Bischof von Seckau, ist der Sohn von Christoph Richard von Thun und Hohenstein und Veronika Sekunda Khuen von Belasi. Nicht von Johann Sigismund.

Warum die Fehler entstanden sind

Die Angaben beruhen auf drei typischen genealogischen Problemquellen:
  • Namensdopplungen in der Familie Thun und Vermischung der Linien Castel Thun und der böhmischen Linie.
  • Übernahme älterer Fehler aus Wurzbach (1882) und privaten Datenbanken.
  • Wikipedia übernimmt diese Fehler unkritisch - und genealogy.euweb.cz verstärkt sie durch unlogische Kinderfolgen.

Kurzbiografie

Rudolph Joseph Graf von Thun und Hohenstein wurde am 20. August 1652 als Sohn von Christoph Richard von Thun und Hohenstein und dessen zweiter Gemahlin Veronika Sekunda Khuen von Belasi auf Schloss Thun in Vigo d’Anaunia im Fürstbistum Trient geboren. Er wurde römisch‑katholisch getauft.

Sein älterer Bruder Johann Franz von Thun und Hohenstein (1643–1718) war ab 1668 Domherr in Passau und Trient. Aufgrund einer Gemütserkrankung wurde er 1677 entmündigt; 1679 legte er schließlich alle geistlichen Ämter nieder. In Salzburg resignierte er zugunsten seines Bruders Rudolph Joseph.

Rudolph Joseph selbst war zunächst Domherr in Trient (1671–1680), anschließend Domherr in Passau (seit 06.04.1673) und Domherr in Salzburg (seit 09.09.1679). Am 23. September 1681 wurde er in Salzburg zum Kapitular gewählt. Von 1690 bis 1702 amtierte er als Fürstbischof von Seckau sowie als Salzburger Generalvikar für die Steiermark und den Neustädter Bezirk.

Fürstbischof Rudolph Joseph Graf von Thun und Hohenstein verstarb am 20. Mai 1702 im Alter von 49 Jahren. Seine letzte Ruhestätte fand er in der Basilika von Seckau.

Seine Genealogie befindet sich im Stammbaum-Netzwerk und im Familienbuch Adelsgeschlechter.

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