Die Rettenberger waren wahrscheinlich ursprünglich Dienstleute der Welfen und schlossen sich um 1185 dem Gefolge der Staufer an. Die Familie gilt als das bedeutendste Adelsgeschlecht des Oberallgäus, dem die Vogteien zahlreicher Klöster in dieser Region übertragen worden waren. Von den Rettenbergern zweigten im 12. Jahrhundert die Herren von Trauchburg und Hohenegg ab. Diese beiden Geschlechter brachten im 13. Jahrhundert einige herausragende Vertreter staufischer und habsburgischer Reichspolitik hervor.

Ruine Burg Rettenberg
Ruine Burg Rettenberg

Neben ihrer Stammburg verfügten die Rettenberger noch über einige weitere Burgsitze im heutigen Schwaben und dem angrenzenden Tiroler Außerfern (Burgen Vilsegg, Eisenberg, Nesselburg, Burgberg).

  • Rettenberg vor der Burg, Pfarrdorf im Landkapitel Kempten, war schon füh im Besitz der Ritter von Rettenberg, die von 1166 bis 1344 vielfach beurkundet sind.
  • Oberstdorf, Markt im Landkapitel Kempten, gehörte zum Hochstift Augsburg, kam von diesem lehnweise mit dem Kirchensatz an die Edlen von Rettenberg, dann an Otto Truchseß von Walburg, im Jahre 1351 an die von Heimhofen und endlich mit Fluchenstein unter Bischof Johann 1477 an das Hofstift zurück.
  • Schölang, Pfarrdorf im Landkapitel Kempten, war mit dem Kirchensatz im Besitz der Edlen von Rettenberg, kam dann durch Heirat an Otto Truchseß von Waldburg.

Zur Gefolgschaft der Rettenberger zählten zahlreiche Niederadelsgeschlechter, deren Ansitze sich teilweise als Burgställe in der Umgebung erhalten haben. Diese Dienstmannen saßen etwa in Maiselstein, Burgegg, Hindelang, Wertach und Haslach.

Um 1350 verstarb Heinrich von Rettenberg ohne männlichen Erben. Der Besitz wurde unter den beiden Töchtern des Burgherren aufgeteilt. Elisabeth, die Gemahlin Georgs von Starkenberg, erhielt die Herrschaft Rettenberg. Ihrer Schwester Adelheid von Waldburg wurde die Herrschaft Burgberg zugewiesen.

Bereits ein Jahr später veräußerten die Schwestern ihre Erbteile. Rettenberg ging für nur 1600 Pfund Pfennig Konstanzer Währung an das Hochstift Augsburg. Der günstige Kaufpreis dürfte auf die Anfechtung des Erbes durch den Grafen Wilhelm von Kirchberg zurückzuführen sein. Auch die überschuldete Herrschaft Burgberg konnte für 2040 Pfund Konstanzer Pfennig recht preiswert von den Herren von Heimenhofen erworben werden.

Das Hochstift Augsburg besetzte die Burg Rettenberg mit einem Pfleger, dem ein Ammann und ein Schreiber unterstanden. Um 1385 mussten die Augsburger die Herrschaft kurzzeitig verpfänden, lösten die Pfandschaft aber noch vor 1400 wieder ein.

1525 schlossen sich auch die Bauern der Pflege Rettenberg dem Allgäuer Bund an. Das Pulver der Aufständischen stammte u. a. auch aus der Burg Rettenberg, die also offenbar geplündert wurde. Nach der Niederlage der Bauern bei Leubas lagerte der siegreiche Schwäbische Bund die Waffen der Geschlagenen in den Burgen Rettenberg und Fluhenstein ein. Der Pfleger Andreas von Hohenegg war am 25. Oktober an der Aushandlung des "Martinszeller Vertrages" beteiligt, mit dem die Kampfhandlungen im Gebiet des Fürststiftes Kempten endeten.

1534 wurde die Veste unter dem Pfleger Hans von Hohenegg zu Vilsegg restauriert. Man "täferte" den Festsaal im Hauptgebäude, deckte die Dächer neu ein und verputzte die Innen- und Außenmauern. Insgesamt kostete die Sanierung 1626 Gulden.

Am 12. September 1562 brannte die Burg durch die Unachtsamkeit einer betrunkenen Köchin nahezu vollständig aus. Der Pfleger Marquard von Schwendi soll durch den Brand seinen vollständigen Hausrat und zwei Pferde verloren haben. Ein Kostenvoranschlag veranschlagte den vollständigen Wiederaufbau der Brandruine auf 1774 Gulden. Wegen der hohen Kosten gab das Hochstift nur die notwendigsten Reparaturen in Auftrag.

Der Sitz des augsburgischen Pflegamtes wurde anschließend auf die nahe Burg Burgberg verlegt. Als der Augsburger Bischof 1573 seine Pflege besuchte, huldigten ihm seine Untertanen jedoch auf der Wiese vor der Burg Rettenberg.

Auch als 1650 der Augsburger Domkapitular Rudolf von Rechberg als Verwalter des minderjährigen Bischofs die augsburgischen Pflegämter bereiste, bereitete man dem Würdenträger unterhalb der Brandruine einen aufwändigen Empfang.

1735 verlegte das Hochstift die Verwaltung der Herrschaft schließlich in das neue Amtshaus in Vorderburg. 50 Jahre später wird der Wohnturm der Burg als halb eingefallen beschrieben.

Mit dem übrigen Hochstift Augsburg gelangte 1802/03 auch die Pflege Rettenberg an das Kurfürstentum Bayern.

Heute erinnern nur noch zwei hohe, stark substanzgefährdete Mauerzüge an eine der ältesten Turmburgen des Allgäus. Während die unterhalb in einer Illerschleife gelegene Burg Langenegg Ende des 20. Jahrhunderts gesichert werden konnte, sind auf Rettenberg keine Sanierungsmaßnahmen zu erkennen. Die Ruine wurde auch noch nicht in den Katalog der Burgenregion Allgäu aufgenommen. Mittelfristig ist hier der Totalverlust einer der historisch bedeutsamsten Burgruinen des Allgäus zu befürchten.

Wappen

Die Gemeinde Rettenberg führt ein Wappen mit Hinweis auf das Adelsgeschlecht Rettenberg.

Rettenberg-Wappen

Beschreibung: Zinnenförmig geteilt von Silber und Rot; oben ein schwebender roter Fünfberg, unten übereinander zwei silberne Eisenhüte.

Die Gemeinde Rettenberg besteht seit 1978 aus den ehemals selbstständigen Gemeinden Untermaiselstein, Vorderburg und Rettenberg. Der schwebende Fünfberg stand bereits im ehemaligen Wappen von Vorderburg und ist dem Siegel der Herren von Rettenberg entnommen, die 1130 zum ersten Mal erwähnt werden und 1350 in männlicher Linie ausgestorben sind. Auch die Herren von Maiselstein führten ein ähnliches Wappenbild, sie hatten einen Dreiberg in ihrem Wappen. Die Zinnenteilung redet für die Ortsteile Vorderburg und Untermaiselstein und weist auf die noch erhaltene Ruine der Stammburg der Herren von Rettenberg hin, die hoch oben am Rottachberg stand.

Quelle: Wikipedia

 

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